Challenge 160 – oder wie man dem Wetter trotzt.

Challenge 160 – oder wie man dem Wetter trotzt.

Irgendwann im Laufe des Jahres merkte ich, daß meine Touren immer länger wurden. 100 km, 120 km, 130 km, 140 km … bis hin zu 148 km. Geht da noch mehr? Hintergrund auch: Zahlen sind zwar imaginär, prägen aber doch das Handeln. Spricht man mit deutschen/europäischen Radlern, ist hier natürlich eine Distanz von 100 km eine „Schallmauer“. Spricht man mit Engländern/Amerikanern, sind es 100 Meilen! Nun, dachte ich mir, wir sind ja doch ziemlich von der amerikanischen Kultur beeinflusst, also nimm dir mal ein Meilen-Ziel. Eben die 100 Meilen, 160,9 km.

Anfang Oktober – das Wetter noch sommerlich warm – fragte ich im Netz nach möglichen Strecken, möglichst flach, wenig Unterbrechung durch anderen Verkehr, … es kamen auch Vorschläge, alle mehr oder weniger geeignet erscheinend. Und dann kam Andre mit der Idee, doch von Duisburg nach Lelystad zu fahren, etwa 180 km. Am nächsten Tag dann nach Amsterdam und mit dem Bus zurük. UiUiUi, dachte ich mir. Andererseits: Ja! Also machte Andre alles klar, Übernachtung in Lelystad, Bustickets. Alles prima. Bis auf das Wetter, welches immer herbstlicher wurde. In den letzten Tagen vor der Tour dann: Steigende Regenwahrscheinlichkeit, zunehmender Wind aus Nordwest, also genau da wo wir hinwollten. Dann kündigte sich auch noch der erste Herbststurm an …

Rückzieher machen? Nö. Gebuchte Verbindlichkeiten, aber auch der eigene Ehrgeiz meldete sich zu Wort. Komme was da wolle, wir machen das …

Also trafen wir uns am 28. Oktober am Bahnhof in Duisburg und radelten los. Erstmal durch die Innenstadt, dann am rechten Rheinufer bis zur Brücke der A42, dort überquerten wir den Rhein und setzten unseren Weg am linken Niederrhein nach Nordwesten fort. Es war kühl, der Wind hielt sich noch in Grenzen. Rheinberg, Xanten, Kalkar, Kleve, und schon hatten wir die Grenze zu den Niederlanden überquert und waren in Millingen aan de Rijn, 80 km standen auf der Uhr. Dort setzten wir mit der Fähre auf die rechte Rheinseite über und fuhren gen Arnhem.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Kleve

PA280458.JPG

Fähre Millingen

Hinter Pannerden zeigte uns der Wind dann das erste Mal, was noch so auf uns zukommen könnte. In einem Vortort Arhems machten wir dann erst mal Pause bei einem türkischen Imbiss, Kalorienaufnahme. Als der Wirt hörte, daß wir in Duisburg gestartet waren, und wir dann noch beiläufug erwähnten, daß es noch weitergeht bis Lelystad, wurden die Portionen auf den Tellern merklich größer als erwartet. Frisch gestärkt nahmen wir die einzig nennenswerte Steigung durch den Park Klarenbeek in Angriff, welcher dann fast unmerklich auf geteeretn Radrouten durch den Wald in die Hoge Veluwe überging. An offenen Stellen merkten wir, daß die Luftfeuchtigkeit zunahm (sprich: Nieselregen), aber das kümmerte uns nicht weiter. Offene Heideflächen udn Wald wechselten sich ab, garniert mit militärischen Übungsplätzen. Der Regen nahm zuwar aber immer noch als leicht zu bezeichnen. Bei einbrechender Dunkelheit erreichten wir Harderwijk und hatten somit die friesischen Meere erreicht. Dank sorgfältig geplanter Route ging es dann, schon in Flevoland, erstmal durch Wald. An der nächsten Straßenkreuzung waren sie dann erreicht, die von mir angestrebten 100 Meilen (oder eben 160,9 km). Ausser ein Foto zu machen, kam mir eigentlich wenig in den Sinn.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hoge Veluwe

Aber dann, dann packte uns der Wind mit Macht. Die 15 km Richtung Nordwest, Richtung Lelystad, gingen über offenes Feld und der Sturm zeigte sein Gesicht. Mehr als 10 km/h waren nicht drin, und es war trotzdem noch eine Herausforderung. Natürlich fing es dann nochmal an zu regnen, aber zum Glück kamen wir dann in besiedeltes Gebiet und zwischen den Häusern wurde aus dem Sturm ein laues Lüftchen. um Punkt 21:00 erreichten wir nach 179 km unser Ziel. Unsere Gastgeber (Airbnb) nahmen uns sehr fürsorglich auf und kümmerten sich wunderbar um uns, unsere nassen Klamotten und die Fahrräder. Nach einem angenehm verplauderten Abend fielen wir totmüde in die Betten …

 

PA290473.JPG

Houtribdijk

Nach einer erholsamen Nacht und einem guten, liebevoll zubereiteten, Frühstück ging es weiter, unserem Ziel Amsterdam entgegen.Beim der Abfahrt in Lelystad merkten wir, daß es noch windig ist und auch, daß der Wind uns weiterhin entgegen blis. Die angedachte Strecke ging über den Deich rüber nach Enkhuizen und dann nach Süden, Richtung Amsterdam. Als wir dann auf den Deich kamen, wurde der Wind schon kräftiger. Aber es ging noch, denn der Deich verläuft zuerst in nordöstlicher Richtung. Dann macht der Deich allerdings einen Bogen nach Nordwesten und als wir diesen Bogen umrundet hatten, hatten wir das Gefühl, vor eine Betonmauer gefahren zu sein. Windgeschwindigkeiten von geschätzt über 80 kmh ließen eine Weiterfahrt – es wären noch gut 15 km Deich gewesen – als unmöglich erscheinen. Nun gut, dann eben Plan B. Zurück nach Lelystad und dann entlang der Küste Richtung Almere. Hier blies der Wind von der Seite und wir kämpften uns in Schräglage vorwärts, obwohl es schnurgereadeaus ging. Dazu kam dann noch Regen, so daß wir froh waren, kurz vor Almere vom Deich runter zu kommen.

PA290476.JPG

Muiden

Hier im Landesinneren war der Wind dann nicht mehr so stark und die Sonne kam auch wieder raus. Und welche Freude es war, dort Rad zu fahren! Infrastruktur, die gut ist, die eindeutig ist, die Konflikte mit motorisiertem Verkehr garnicht erst zulässt. Dann ging es parallel zur Bahnstrecke raus aus Almere und am Südufer des Ijmeeres entlang. Hier und da noch ein kleiner Schauer, aber was solls. Durch das malerische Muiden ging es in die Aussenbezirke Amsterdams. Je näher wir dem Centrum kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Andre sagte später, er habe „mächtig Puls gehabt“ deswegen. Ab Hauptbahnhof war aber auch ein Gewusel von Fußgängern und Radfahrern, das es wirklich dicht war. Aber hey, es lief! Weiter ging es durch Parks zum Bahnhof Sloterdijk, wo unser Bus für die Rückfahrt nach Essen abfuhr. Tageskilometer: 86

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Amsterdam

Fazit:

Ja, 160 (und mehr) Kilometer an einem Tag sind machbar für mich. Muss aber nicht sein, denn nach diesen beiden Tagen sagt mir mein Körper doch, ich solle es mal etwas ruhiger angehen lassen.

Strecke Duisburg – Lelystad:

//www.gpsies.com/mapOnly.do?fileId=pnzspizyiiojhbhy

Strecke Lelystad – Amsterdam

//www.gpsies.com/mapOnly.do?fileId=gzjercsmnbdbjvqv

Advertisements

Kommentar zu: Review: Ortlieb bags

über Review: Ortlieb bags

Adam Newman beschreibt hier sehr anschaulich seine Erfahrungen mit den Ortlieb Bikepacking Taschen.Im großen und ganzen teile ich seine Ansichten, was den Part der beiden Taschen für vorne angeht. Nach hinten raus, beim Seatpack, scheint er mir aber ein wenig abgedriftet zu sein:

One curious design quirk is that even with the bag nearly full I was maxing out the adjustment straps that secure the roll- top, seen here just above the Ortlieb logo. They’re also impossible to tighten while buckled, which makes adjusting them a chore.

Zum verdeutlichen setze ich sein Bild noch dazu:

Was Dave über die Art, den Seatpack zu packen, schreibt, teile ich zu 100%: Dicht packen, steife Teile in die Mitte, um eine gute Längssteifigkeit zu erhalten. Bei dem oben zitierten Abschnitt habe ich aber eine andere Meinung:
Was er dort als „fast voll“ beschreibt, ist es durchaus nicht, denn der Rollverschluß ist viermal eingerollt. Demzufolge ist auch seine Schlußfolgerung, die Bänder seien zu lang, verkehrt. So sieht der Setpack aus, wenn er wirklich voll ist – man beachte die Position der Schnappverschlüsse:

Hier ist der Rollverschluß zweimal eingerollt, das ist das Minimum – bei einmaligem Einrollen würde der Rollverschluß in der Mitte aufklaffen. Ein minimal bepackter Seatpack sieht dann so aus – hier ist der Verschluß fünf- oder schsmal eingerollt.

Hier lässt sich dann aber kaum noch Spannung auf die Bänder bringen, allerdings ist die Gefahr des Einsackens auch nicht mehr so groß.

40 Stunden unterwegs …

Ein Bekannter hatte mich eingeladen, einen Megamarsch zu begleiten. OK, dachte ich mir, mal ein anderes Abenteuer. Ach so, was ist ein Megamarsch? 100 km, 24 Stunden, zu Fuß.

Unsere Aufgabe war, die Wanderer mit dem Rad zu begleiten, Wegmarkierungen zu machen, „Seelsorge“ zu leisten, sowas halt.

Samstag trafen wir uns um 08:30 in Deutz, um nach Frankfurt, dem Startort, zu fahren. Man muss, wenn man das Rad mitnimmt, ja leider durchs Rheintal fahren … Umsteigen in Mainz, kurz darauf konnten wir uns in den Frankfurter Trubel stürzen – es war ja Eröffnung der Publikumstage der Buchmesse. Noch ein Stück am Main entlang, dss Panorama genießen und dann in den Frankfurter Süden zum Startplatz.

Dort gabs dann eine Vorbesprechung und was zu essen, die weiteren Radfahrer trafen auch langsam ein. Auch trudelten immer mehr Wanderer ein, immerhin gingen 1050 Männer und Frauen an den Start. Eigentlich ein schöner gemütlicher Samstagnachmittag im herbstlichen Sonnenschein. Bis dahin gefahren: 13 km 😆

Um Punkt 16:00 ging es dann los, ein schier unerschöpflicher Strom an Menschen ergoß sich in die Wälder. Auf den ersten Kilometern war das ein bunter Lindwurm, alles fröhlich und munter im herrrlichen Herbstwetter durch die Wälder. Nach 20 km war dann die erste Verpflegungsstelle in Langen erreicht. Da war es dann schon dunkel. Mittlerweile war ich gut 13 Stunden auf den Beinen. Verpflegung einpacken – sowohl in die Packtaschen als auch in den Magen – und weiter ging es in die Nacht!

Weiter ging es Richtung Süden, das Gelände schön flach, der Abend recht warm, Richtung Darmstadt. Die Läufer bildeten immer noch eine fast geschlossene Kette. Als dann der zweite Verpflegungspunkt erreicht war, war es schon deutlich kühler geworden – pappige Salzbrezeln sind der Brüller! – und die ersten abgekämpften Gesichter waren zu sehen. Auch haben wohl die ersten dort aufgegeben.

Jetzt wurde es langsam interessant … das Gelände wurde welliger, die Wege schmaler, erste Müdigkeitserscheinungen sowohl bei Läufern als auch bei uns Radfahrern. Trotz allem aber immer noch herrlich: Sternklarer Himmel, sogar die Milchstraße war zu sehen, kein Wind. Rascheln von Reifen und Füßen im Laub, tanzende Lichter der Kopflampen. Immer wieder kurze, nette Gespräche im Vorbeifahren gahbt. Um Drei Uhr wurde dann die dritte Verpflegungsstelle erreicht (Lautertal).

Hier war dann für mich auch der erste Kaffee nötig. Und ein kurzer „Powernap“. Die Läufer, die mit uns zusammen oder während unserer Zeit dort eintrafen, waren die Spitze, also die Fitten. Trotzdem hatten auch die schon Blasen zu pflegen,verhärtete Muskeln zu massieren. Nach eingier Zeit erreichten uns von der Strecke Nachrichten über Aufgeben, das ist aber wohl normal.

Jetzt wurde es richtig bergig und dazu kamen auch bei uns Radfahrern nachlassende Konzentration, Erschöpfung. Nach der Verpflegung kam direkt ein steiler Anstieg, den wir nur schieben konnten und auf der anderen Seite ging es dann in ein Felsenmeer. Eigentlich lief der Weg östlich davon durch den Wald, aber aus unerklärlichen Gründen liefen alle direkt in das Felsenmeer rein und durch die Felsbrocken den steilen Hang hinunter. Wohl oder übel gingen wir auch diesen Weg, die Räder tragend und schiebend. Zum Glück hielt das Wetter, nicht auszudenken, was bei Regen in dem Gelände los gewesen wäre!

Unten angekommen machten wir eine Extrapause und nutzten diese, um die Läufer zu checken, ob sie noch in Ordnung sind. 23 Stunden war ich jetzt wach … und schon wieder ging es den Berg hoch und wir liefen beziehungsweise fuhren an eine Problemstelle. Dort war eine Weggabelung, wo der ausgewiesene (aber anscheinend hier ungeprüfte) Track in einen mit Grünzeug verblockten Weg führte. DIe anderen beiden Wege bedeuteten große Umwege. Die Läufer entschieden sich für die rechte Variante (und fanden dann auch auf den ursprünglichen Weg zurück, was wir aber erst später erfuhren).

Als wir noch oben an der unklaren Gabelung standen (siehe vorheriger Post), murmelte mein Begleiter, daß er jetzt doch bitte auf breiten Wegen aus dem Wald raus wolle. Er war vorher schon dreimal mit seinem Rad (ein Faltrad mit 20″-Rädern und Straßenbereifung) ausgerutscht, dazu die Müdigkeit und er hatte wohl auch zu wenig gegessen. Edel wie der Mensch ist, wollte er das allein in Angriff nehmen, ich solle doch meinen Weg mit den Läufern allein fortsetzen. Edel wie ich bin, habe ich das aber abgelehnt und habe ihn dann auf breitem Weg aus dem Wald ins Tal gebracht.

Dort angekommen, ließen wir etliche Läufer an uns vorüber ziehen, nicht ohne uns nach ihrem Befinden zu erkundigen. Und sie waren alle noch munter! Das Tal selbst – malerisch! Es graute schond er Morgen, ein einsamer Baum zeigte seine schwarze Silhouette vor Nebelschwaden. Mittlerweile war auch klar, daß Jo die Tour – es wäre schon direkt den nächsten Berg hoch – nicht würde fortsetzen können. Also Kurs nach Westen, ins Rheintal, in die Zivilisation!

Also rollten wir los, und das war ein Problem. Jetzt war die Nacht am kältesten, wir waren übermüdet, wir mussten die Beine nicht anstrengen, dadurch wurde uns noch kälter. Also angehalten, die letzte Lage Klamotten angezogen und trotzdem bibbernd nach Bensheim reingefahren. Zum Glück gibt es in dem Kaff immerhin ein Bäckereicafe, welches am Sonntag morgen um 7:45 schon auf hat. Also dort rein und gefrühstückt und, vor allem, aufgewärmt.

Anschliessend habe ich Jo noch zum Bahnhof begleitet und bin weiter Richtung Süden gefahren, dem eigentlichen Ziel entgegen …

Kurz hinter Bensheim zweigte die Radroute in die Felder ab, anstatt der Bundesstraße zu folgen. Das war auch gut so, denn ich war – mittlerweile 25 Stunden wach – kurz vorm einschlafen. Wäre das hier in den Feldern passiert, wäre ich zumindest nicht unters Auto gekommen. Irgendwann ging es dann wieder, die SOnne kam raus und schon ging es wieder besser. Weinheim war dann bald erreicht und im Schloßpark wurde gerade das Ziel aufgebaut.

Ein zweites Frühstück gab es auch und ich konnte auf einem Kissen genüßlich zurück gelehnt endlich mal die Augen ein paar Minuten zumachen. 120 km hatte ich mittlerweile in den Beinen, damit ging es mir aber deutlich besser als den ersten eintrudelnden Läufern, denen man die zurück gelegte Strecke und ihre Strapazen mit jedem Schritt und im Gesicht ablesen konnte.

Mittlerweile erschienen auch die ersten Sonntagsspaziergänger im Park und machten Augen. Tja, eigentlich war unsere Aufgabe erfüllt und wir hätten nach Hause fahren können. Nur war irgend jemand auf die Idee gekommen, Tickets für einen Zug ab 18:00 zu buchen. Tja … also haben wir uns den Tag noch dort rum getrieben und das Beste draus gemacht.

Irgend wann haben wir uns dann auf den Weg gemacht, nicht ohne noch eine Runde durch die Altstadt zu drehen. In der Spätnachmittagsonne warteten wir dann den Zug nach Heidelberg ab. Dort hatten wir eine verdammt kurze Umsteigezeit, die wir mit einem Sprint Treppe hoch und wieder runter aber erfolgreich gemeistert hatten. Drei Stunden später waren wir dann in Köln …

Fazit:
Es ist eine interessante Erfahrung, mal so Rad gefahren zu sein, mehr als einen Tag lang am Stück. Werde ich sicher mal wieder machen. Ob ich noch mal so einen Support mache? Hmm, weiß ich noch nicht …

Das Grüne Band – 28 Jahre nach der Teilung.

Kurze Abschnitte habe ich im Lauf der Jahre schon gesehen, erwandert, begangen, erfahren. Sei es der Mauerweg in Berlin (wandernd im Südwesten und Stadtmitte), sei es die Mitte des Harzes (wandernd), sei es die Elbe (mit dem Rad), immer findet man Relikte des „antifaschistischen Schutzwalls“, wird zum Nachdenken angeregt über die Vergangenheit der ehemals zwei deutschen Staaten, die seit mittlerweile 28 Jahren wieder Eins sind.

Meine bisherigen Begegnungen mit dem grünen Band waren eher kreuzend, am Rande. Dann wuchs seit einiger Zeit, angeregt durch die Grenzstein Trophy, der Wunsch, einmal die Grenze zu verfolgen, von Nord nach Süd oder umgekehrt und dabei die Orte links und rechts der Grenze zu besuchen, die Menschen, die dort leben. Schnell war mir klar, daß sich das am ehesten mit dem Rad bewerkstelligen lässt.

Mittlerweile ist die Planung der Route erledigt, das Rad steht bereit und in ein paar Tagen geht der Zug nach Hof. Von dort geht’s zum (ehemaligen) Dreiländereck und dann Richtung Norden …

Die Reise beginnt …

Freitag 8. September

In leichtem Regen vom Büro zum Bahnhof gefahren – na toll, fängt ja gut an. Das Radabteil im IC war schon gut gefüllt und wurde dann richtig voll. Dafür gab’s regen Austausch untereinander. Die einen waren am Niederrhein, der andere in der Eifel und auf dem Weg nach Hause. Wieder andere, so wie ich, auf dem Weg auf die Tour. Dabei unter anderem ein – sehr sympathischer – GST-„Veteran“.

Umsteigen in Nürnberg entspannt, da eine halbe Stunde Luft. Im RE dann die Jungs von der Niederrhein Tour wieder getroffen.

Samstag, 9. September

Und es ging gut weiter – immer wieder leichter Regen, garniert mit zum Teil heftigem Gegenwind aus westlichen Richtungen.

IMG_20170909_102953.jpg

Neben des „Placemarks“ wie Dreiländereck und Dreistaatenstein gab es eigentlich nur noch einen weiteren Mensch gemachten Platz, der aus dem – ja , ich muss es so sagen – Einerlei der Orte links und rechts der Grenze heraus stach, nämlich Mödlareuth. Getrennt durch die Teilung 1948, sind es auch heute noch technisch gesehen zwei Orte: liegen in unterschiedlichen Bundesländern, haben unterschiedliche KFZ-Kennzeichen, Telefonvorwahlen, Postleitzahl … Der Tag endete dann in Blankenstein, dem Beginn des Rensteigs.

P9090191.jpg

P9090199.jpg

P9090206.jpg

P9090208.jpg

P9090216.jpg

P9090226.jpg

Sonntag, 10. September

Nach einem einfachen Frühstück ging es ab Blankenstein direkt aus dem Tal der Saale raus, mit zum Teil 10% Steigung. Oben auf der Höhe glatter Asphalt und Rückenwind. Hui! Auf der nächsten Höhe erster Fotostopp, prompt hielt ein lokaler Radler und wir kamen ins Gespräch über Gott und die Welt – und Henriette Reker. Mein Weg führte mich immer in der Nähe der Grenze, mal auf kleinen Straßen mit wenig Autoverkehr, mal auf Feld- und Waldwegen, ganz selten auch mal Kolonnenweg. Eins war jedenfalls gewiss: rauf und runter ging es ständig. Ob die Grenze immer wieder gekreuzt oder ihr gefolgt wurde – man sieht so gut wie nichts mehr davon, es sei denn, ein Stück wird museal erhalten oder es ist ein Stück Kolonnenweg noch nicht überwachsen. Heutiges Etappenziel Bächlein.

P9100248.jpg

P9100256.jpg

P9100263.jpg

P9100266.jpg

P9100268.jpg

P9110288.jpg

P9110292.jpg

P9110313.jpg

P9110317.jpg

P9110322.jpg

IMG_20170911_200506.jpg

Montag, 11. September

Wie üblich viel zu früh wach, dafür konnte ich das Frühstück genießen. Und dadurch früh los gekommen in den kühlen, frischen Morgen – könnte nur jeder Morgen so beginnen! Nachdem ich meine Vorräte in einem discounter aufgestockt hatte und meine Beine Betriebstemperatur hatten, rollte es sich schön durch das zwar nicht flache, aber auch nicht mehr bergige Gelände. Hier und da die Grenze gekreuzt, ab und zu Überbleibsel derselben oder Erinnerung daran … Mittags wurde es kälter und regnerisch. Nach einem lecker Asia Imbiss in Bad Rodach war die Welt wieder in Ordnung und kurze Zeit später kaum auch die Sonne wieder raus. So blieb es auch und mein Etappenziel Bad Königshofen wurde bei dann doch starkem Gegenwind erreicht.

P9120331.jpg

P9120340.jpg

IMG_20170912_134316.jpg

IMG_20170912_152215.jpg

IMG_20170913_140019.jpg

P9130348.jpg

P9130355.jpg

Dienstag, 12. September

Ein kühler Tag, immer wieder Schauer. Einige alte Wachttürme gesehen. Gelände wellig, gegen Ende des Tages noch zwei Bergrücken, einer davon hätte umfahren werden können. Etappenziel Fladungen

Mittwoch, 13 September

Vom – sehr guten – Frühstück ab gab’s Steigung und Regen. Und oben auf der Höhe machte ich dann Bekanntschaft mit dem Tief „Sebastian“, ein übler Geselle. Es blies so stark von schräg vorne, daß sogar schieben nur mit Mühe möglich war. Runter ins Ulstertal ging dann etwas besser und im Tal selbst wurde ein netter Wind von achten draußen. Dort dann auch den ersten Radreisenden getroffen, mit dem ich ein paar Takten reden konnte. Ebenfalls ein Bikepacking mit sehr ähnlicher Materialauswahl wie ich. Netter Erfahrungsaustausch und schon fuhr jeder wieder seines Weges. Das Wetter wurde besser und es lief richtig gut. Etappenziel war Vacha bzw das 5 km östlich liegende Dorndorf.

Donnerstag, 14. September

Ab morgens Regen, Regen, Regen … Bis Herleshausen habe ich es geschafft, dann habe ich abgebrochen. Bahnfahrt nach Hannover, erstmal auftanken bei der Familie.

IMG_20170914_120746.jpg

GPSies - GBD Teil 1

Sonntag, 17. September

Erholt. Getüftelt. Voll Energie. Weiter geht’s. Allerdings erst mal anders als geplant. Ich kehre nicht zurück aufs grüne Band (angedacht hatte ich nördlich des Harzes), sondern fahre den Leine-Heide-Radweg. So kann ich direkt ab Haustür losfahren und habe keine nervige Bahnfahrt.

Der Leine-Heide-Radweg lässt sich gut fahren, die Ausschilderung zumindest bis hinter die Querung der Aller ist in Ordnung. Da wird es dann teilweise lückenhaft, wird dann aber wieder besser. Laut GPS war ich ständig auf Track. Wie das bei einem Fluß in flacher Landschaft so ist: er ist immer in der Nähe, aber man sieht ihn kaum. Der Tag endete nach 125 km in Soltau.

P9170365.jpg

P9170367.jpg

Montag, 18. September

Heute gab’s dann Heide pur. Über Bispingen und Lüneburg durch herrliche Wälder, oft Kiefer, seltener Mischwald. Ab Lüneburg dann den Elbe-Seitenkanal hoch, noch ein paar Meter Elberadweg und dann rüber nach Lauenburg. Hotel mit Elbblick und herrlich old fashioned Einrichtung.

P9180370.jpg

P9180374.jpg

P9180375.jpg

P9180382.jpg

P9180385.jpg

P9180393.jpg

P9180401.jpg

IMG_20170918_190004.jpg

Dienstag, 19. September

Und jetzt ging es zurück aufs grüne Band. Nach einem Schlenker ostwärts, wo ich an einem mobilen Bäcker ein Stück Kuchen kaufte, ging es erstmal entlang des Elbe-Lübeck Kanals, ein nebliger kalter Herbstmorgen. Das Wetter sollte besser werden und die Strecke wurde nach verlassen des Kanals auch abwechslungsreicher. Zwei Dörfer weiter stand der mir schon bekannte mobile Bäcker. Und weiter ging die Fahrt bis Zarrentin (mobiler Bäcker), wo ich dann den Kuchen am Ufer des Schaalsees genoß. Zwei Dörfer weiter stand der mir nun schon vvertraute Bäcker und jetzt konnte ich gerne ein weiteres Mal ein Stück Kuchen kaufen. Die Sonne hatte den Nebel schon längst aufgelöst und so schmeckte der Kuchen doppelt gut.

Der Plan: Quartier im Osten Lübecks zu finden, um dann am nächsten Tag die letzten Kilometer bis Priwall zu machen und auf der Salzroute zurück nach Lübeck. Die Realität: Ein freies Zimmer gab’s nur in der Innenstadt. Macht dann halt noch mal extra Kilometer auf einem der schlechtesten innerstädtischen Radwege, die mir je unterkamen.

P9190405.jpg

IMG_20170919_161204.jpg

Mittwoch, 20. September

Abreise …

GPSies - GBD Teil 2

Des Kaisers Handy oder der preußische optische Telegraph 

Des Kaisers Handy oder der preußische optische Telegraph 

Eine faszinierende Technik, die man damals in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt und genutzt hat. In Deutschland gab es meines Wissens zwei solche Telegraphenlinien, ein kommerzielle von der Wesermündung nach Bremen, sowie eine militärische von Berlin nach Koblenz *). Auf den Spuren der letzteren bewege ich mich im Moment.

*) Näheres weiß die Wikipedia und diese detaillierte Webseite, die sich der Geschichte der 61 Stationen widmet.
Die Stationen 50, 51 und 52 befinden bzw befanden sich auf Kölner Stadtgebiet. Station 51 befand sich zwischen den Türmen der damaligen Garnisonskirche St Pantaleon und wurde nach Einstellung der optischen Telegraphie abgebaut. Die anderen beiden Stationsgebäude existieren noch, wobei Station 50 am ehesten dem Originalzustand entspricht, da sie von einem nachgebauten Semaphor gekrönt ist. Durchaus sehenswert!

Damit gehören die drei quasi zu meinem täglichen Leben und werden nicht durch einen Besuch im Rahmen von Radtouren beehrt.

Die erste Tour beginnt am Ende der Linie, in Koblenz. Samstags morgens um viertel vor zehn aus dem Hauptbahnhof zu kommen, die Stadt noch nicht mit Touristen geflutet – sehr entspannt. Am Schloß (Station 61) vorbei ein kurzer Abstecher zum deutschen Eck, dann in die Seilbahn und entspannt auf das Festungsplateau schweben.

P7220023.JPG

P7220020.JPG

Die momentan als „amtlich“ geltenden Koordinaten der Station 60 können so nicht stimmen. Von dort ist kein Blick auf den Südflügel des Schlosses möglich, auch nicht aus einer gedachten zweiten oder gar dritten Etage! Auf Übersichtskarten des Plateauparks finden sich keine Hinweise auf den optischen Telegraph!

P7220026.JPG

Weiter in Richtung Station 59, wobei ich mich der Komoot Route anvertraut habe. UiuiUiui, da ist aber die Datenbasis OSM etwas pflegebedürftig! So ging es lustig von einem vergessenen Weg in den anderen, dazwischen natürlich immer wieder stimmige Strecken. Nach langen 30 km erreichte ich dann den Ort von Station 59. Im Ort immerhin ein schönes Schild, welches auf die Geschichte hinweist. Die Station selbst existiert nicht mehr.

P7220032.JPG

P7220031.JPG

Weiter in Richtung Station 58, mit ähnlich verschlungenen Pfaden wie schon zuvor. Auch hier existiert kein Gebäude mehr, nur mehr grüne Wiese am Rand des Ortes.

P7220041.JPG

Weiter zu Station 57. Diesmal schön zu fahren. Das Stationsgebäude ist kaum noch als solches zu erkennen, zu viele An- und Umbauten haben es verändert.

P7220044.JPG

Bei der Weiterfahrt zum Hotel habe ich dann entschieden, eine weitere Kletterei zugunsten einer kurzen Strecke gegen einen längeren, dafür ebenen Weg, zu tauschen. Ein tolles Tal hatte ich mir da ausgesucht! Zuerst matschiger Wirtschaftsweg, dass die Matschklumpen nur so flogen, dann mehrere Kilometer auf einer guten Teerstrasse, ganz leichtes Gefälle, immer im Wald und der murmelnde Bach immer in Sicht- und Hörweite. Geilomat! Der Rest bis Rossbach war dann eine wenig befahrene Landstraße im Wiedtal. Punktlandung um 18:00 …

Nach einer durchweg angenehmen Nacht im Hotel Strand-Cafe und einem guten Frühstück ging es in die zweite Etappe. Nach nur wenigen Kilometern direkt in einen langen Anstieg zu gehen, weckt die Lebensgeister 🙂 Oben auf der Höhe angekommen, die A3 schon in Hörweite, nahm ich die Bank einer Bushaltestelle dankend für eine erste Pause an. Station 56 war nach Irrungen über eine Wiese bald fast erreicht. Auch hier leider kein Gebäude mehr, dafür ein herrlicher Wald.

P7230054.JPG

Hier war bergab schieben oder eher rutschen angesagt, so steil war es. Dafür kam dann dieser herrliche Weg unter die Räder:

P7230059.JPG

Daß mir kurze Zeit später – auf einem breiteren Weg – ein Frischling quiekend den Weg versperren wollte, amüsierte mich dann doch. Als dann auch feststand, daß die Bache nicht in unmittelbarer Nähe war, konnte ich beruhigt weiter fahren.

P7230063.JPG

Station 55 existiert noch als Gebäude, ist allerdings durch mannigfaltige Umbauten kaum noch als solche zu erkennen und, da auf einem großen von einer hohen Hecke umgebenen Grundstück gelegen, verzichtete ich auf ein Foto des Gebäudes. Dafür dann eine schöne Erklärtafel in der Hecke:

P7230064.JPG

Der Weg zur Station 54 war recht kurz und unspektakulär, wenn auch immer wieder über kleine Wege, mal Schotter, mal Wiese, mal Wald, … Das Gebäude in Söven ist eines der am besten raustaurierten!

P7230070.JPG

Ab hier ging es ein gut Teil Straße abwärts Richtung Siegtal, aber auch wieder mit schönen Waldwegen durch den Birlinghovener Wald. Nach Überquerung der Sieg hatte mich dann die Zivilisation wieder, Straßen, enge Bebauung und so weiter … und ich war froh, hinter der Burg Wissem in Richtung Wahner Heide fahren zu können. Station 53 ist ein trubeliges Ausflugslokal. Es bedurfte einer nicht geringen Wartezeit, keine Gäste aufs Bild zu bekommen.

P7230071.JPG

Weiter durch die Wahner Heide und Camp Spich ging es dann endgültig in die rheinische Tiefeebene Richtung Station 52, die nach Winkelzügen durch die Felder zwischen Libur und Zündorf auch bald erreicht war.

P7230079.JPG

Ab hier ging es auf gewohnten Wegen am Rhein entlang, nicht ohne ein gedankliches Winken zu Station 51 in der Kölner Südstadt, weiter nach Hause.

Der genaue Tourverlauf kann hier eingesehen werden.

Runde Summe

Heute, nach fast 15 Monaten, hat das Stromrad genullt. 10000 km habe ich damit abgespult. Nicht schlecht, so viel bin ich in solcher Zeit noch nie gefahren, auch nicht als ich halb so alt war wie jetzt. Tja, mag jetzt der Purist mäkeln, mit dem eBike kann das jeder. Nee, eben nicht! Klar erspart der Motor den Verbrauch so mancher Kalorie, aber das gleicht sich durch die größeren zurück gelegten Distanzen wieder aus.

Ein kurzer Blick auf die Technik:

Außer den nicht zufrieden stellenden Schwalbe Energizer, sie sind trotz Pannenschutz zu anfällig, gibt es nichts aufregendes zu berichten. OK, dass der Verbrauch an Bremsbelägen höher ist als bei einem normalen Rad, ist sowohl der höheren Geschwindigkeit als auch dem höheren Gewicht des Rades zuzuschreiben. 

Die Reifen wurden gegen Schwalbe Marathon Plus getauscht, seitdem – immerhin 5000 km – kein(!) einziger Platten mehr.

Der Akku wurde bis jetzt 124 mal geladen und hat wohl schon etwa fünf Prozent seiner Kapazität eingebüßt.

Ein paar Modifikationen hat es auch gegeben: Ein potenterer Scheinwerfer musste her, da doch öfter unbeleuchtete Wege gefahren werden. Eine Paralellogrammstütze für den Sattel wurde angeschafft. Bessere Griffe mit Hörnchen von Ergon brachten leider nicht den erhofften Erfolg.